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Nazischmierereien am Odenkirchener Bahnhof – Entdeckungskünstler Rolf Flören „informierte“ den Staatsschutz Mönchengladbach

August 19, 2012
Tuk tuk

Tuk tuk (Photo credit: Wikipedia)

Unbekannte Täter haben den Odenkirchener Bahnhof mit Hakenkreuzen und Nazi-Parolen beschmiert. Obwohl Rolf Flören von der Partei Die Linke bereits am Sonntag die örtliche Polizei darüber informiert habe, seien die Schmierereien auch gestern noch zu sehen gewesen. Fraktionsvorsitzender Helmut Schaper: „In Zeiten der Verbrechen von NSU treten Nazis immer dreister auf und beschmieren öffentliche und für jeden zugängliche Gebäude. Es kann nicht angehen, dass zwei Tage nach Information der Behörden diese Schmierereien immer noch zu sehen sind. Selbst wenn die Deutsche Bundesbahn es für nicht nötig ansieht, die Parolen am Bahnhof umgehend zu entfernen, sind die zuständigen Institutionen aufgefordert, diese verfassungsfeindlichen und verbotenen Symbole und Schriftzüge zu entfernen.“

Mönchengladbach
Rolf Flören: Bin kein fauler Zauberer

Mönchengladbach. Rolf Flören ist Unterhaltungskünstler: Drehorgelspieler, Hochradfahrer, Illusionist. Außerdem hat er sich 35 Jahre lang politisch engagiert: für DKP, „Lilo“ und Die Linke, in der Bezirksvertretung, im Stadtrat – rund 100 Stunden im Monat. Damit ist Schluss, aber nicht mit seinem sozialen Einsatz.

Fauler Zauber in Odenkirchen mit Rolf Flören LINKE Lilo

Fauler Zauber in Odenkirchen mit Rolf Flören LINKE Lilo

Es ist eine Szene am Rande, aber eine, die diesen Menschen trefflich zeichnet: Odenkirchens Polizei schickt einen verzweifelt ratsuchenden Bürger nicht etwa zur Stadtverwaltung, sondern ein Stück die Straße Zur Burgmühle hinunter: „Der Mann, der dort wohnt, hilft Ihnen bestimmt.“ Der Mann: Das ist Rolf Flören. Und er hilft wie selbstverständlich dem ratlosen Bürger beim Ausfüllen seines Sozialhilfeantrags.

Eine Institution ist der heute 62-Jährige in Odenkirchen zwar nicht. Aber einer, der sich trotz seiner für viele Bürger zunächst einmal „verdächtigen“ politischen Herkunft Anerkennung und Respekt verdient hat: als strammer Linker.

Der 1989 als Kandidat der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) bei der Kommunalwahl für die Bezirksvertretung Odenkirchen 9,1 Prozent der Stimmen holt, mit dem dann 2004 die Linke Liste Odenkirchen („LiLo“) auf 17,38 Prozent kommt, und mit dem Die Linke 2009 bei ihrem Debüt in den drei Odenkirchener Wahlbezirken zwischen zehn und zwölf Prozent erreicht. Ein Mann, der nicht die Ideologie vornean stellt, sondern den Menschen. Und dessen Beruf es ist, anderen Freude zu bereiten.

Rolf Flören hat sich vor einigen Jahren vier nostalgisch wirkende „Taxi“-Fahrzeuge mit 30-PS-Motoren aus Thailand gekauft: „Tuk-Tuks„, die nun am Niederrhein gerne zu Hochzeiten als Attraktion gebucht werden – oft gleich im Paket mit ihrem Besitzer. Der gibt als Beruf „Unterhaltungskünstler“ an und kommt, ganz nach Wunsch, zu Familienfesten und Betriebsfeiern: mit den Tuk-Tuks, seiner Drehorgel, seinen Hochrädern oder seinem Zauberkasten, mit dem er nicht nur die Kinder fasziniert. Auch Werbegemeinschaften in den Städten am mittleren Niederrhein kennen und buchen ihn.

So bunt wie seine asiatischen Tuk-Tuks oder seine Mischung aus Kleinkunst und Aktion ist Rolf Flören selbst: nicht nur als Gaukler oder als „Zauberer Florian“, sondern auch als wahrscheinlich schillerndste Persönlichkeit in der Mönchengladbacher Politik. „Ich bin kein fauler Zauberer“, hat er gesagt, als er bei der Kommunalwahl 1999 für die Bezirksvertretung Odenkirchen und den Stadtrat kandidierte.

Die politische Ausrichtung der „LiLo“, die er 1992 bei seiner enttäuschten „Abkehr auf Raten vom real nicht existierenden Sozialismus“ (Originalton Flören) und der DKP mitgegründet hat, beschrieb er so: „Zwar links, aber parteipolitisch völlig ungebunden, bürger-, ortsnah und lebendig.“

Der studierte Sozialpädagoge kennt die Sorgen und Nöte derer, die im Schatten stehen. Er engagiert sich vor allem für die Kinder und Jugendliche im sozialen Brennpunkt an den Hochhäusern in Odenkirchen. Auch jetzt, knapp zwei Jahre nach seinem Rückzug aus der Kommunalpolitik, hat er immer noch die Hoffnung nicht restlos aufgegeben, „dass die Stadt endlich etwas tut, damit die Kinder hier nicht noch zwei weitere Generationen im gleichen Dilemma aufwachsen, man sie von der Straße zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung holt, sie fördert und fordert, ihnen eine Perspektive gibt. Geld, das man dafür investiert, ist sehr gut angelegt.“

Im 2000 gegründeten Kreis „Odenkirchener Gespräche“ ist Rolf Flören immer noch dabei, im Stadtrat und in der Bezirksvertretung seit Anfang 2010 nicht mehr. Es waren einmal seine damaligen gesundheitlichen Probleme, die ihn zum Rückzug aus der Politik veranlassten.

Aber nicht zuletzt auch die Erkenntnis, „dass ich mit Anfang 60 langsam sehen muss, für die Zeit vorzusorgen, wenn ich nicht mehr arbeiten kann. Dafür muss ich noch ein paar Jahre etwas tun.“ Denn die Unterhaltungskunst als Broterwerb ist bei ihm in den vergangenen Jahrzehnten zu kurz gekommen. Kein Wunder, wenn die Politik so viel Zeit fordert: „100 Stunden dürften durchschnittlich schon zusammengekommen sein – im Monat.“

Rolf Flören hat vor 30 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht und verdient, so sieht er es, „nicht schlecht“ als Unterhaltungskünstler: „Ich kann mir aber keinen Porsche kaufen, höchstens einen gebrauchten“, sagt er lächelnd. Tatsächlich fährt er einen elf Jahre alten VW-Bus, der auch für die siebenköpfige, heute teils längst erwachsene, Familie reichte.

Oder er fährt, wenn er gerade kein Engagement hat, mit dem Tuk-Tuk durch die Stadt: Werbe-Tour in eigener Sache. Nostalgie ist übrigens heute wieder angesagt: Er schiebt eine seiner beiden Drehorgeln (die kann man sich wie ein Tuk-Tuk ausleihen) durch die Städte oder fährt mit dem Hochrad durch die Fußgängerzonen, auch in Krefeld oder über die Düsseldorfer Königsallee.

„Am liebsten bin ich in Neuss, in Gladbach ist die Atmosphäre nicht so schön“, sagt der Mann, der sich nach fast drei Jahrzehnten Leben im Stadtteil „als echter Odenkirchener fühlt, auch wenn ich die sauerländische Färbung in meiner Sprache wohl nicht ganz ablegen kann“.

Wer mag, der kann bei Rolf Flören in Kursen lernen, wie man Hochrad fährt oder seine Zauberschule besuchen. Damit hat seine Karriere als Unterhaltungskünstler übrigens begonnen: mit dem Zauberkasten seiner ältesten Tochter. „Ich habe mir das Zaubern selbst beigebracht, mein Programm Stück für Stück zusammengestellt.“

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